Ogottogott – das Donauufer gerät ins Blickfeld der Planer

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Zu den letzten bislang nicht umgepflügten Stellen in Ulm gehört das gute alte Donauufer. Womöglich könnte es damit bald auch vorbei sein – es ist ins Blickfeld, genauer : ins Fadenkreuz  der Planer geraten. Schließlich präsentiert sich das Donauufer seit -zig Jahren unverändert und muss jetzt mal ganz dringend auf Vordermann gebracht werden. Event und Sensation.

Vielleicht ein Kiosk für die Erzeugung und Verteilung von Eistütenmüll samt angeklebtem Stiel (die lieben Kleinen müssen ja bei Laune gehalten werden wenn´s hier schon kein freies Wlan gibt) oder eine Art Trinkhalle für Leute, die im Freien stets vom unbedingten Wunsch nach einem „Weg“bier samt Kronkorken und Glasscherben überfallen werden.

Aber die schlimmsten Befürchtungen dürfen gehegt werden wenn die politischen Parteien das Thema auf ihrer verzweifelten Suche nach Profilierung für sich entdecken sollten. Hallo – äh, wir sind auch noch da und, äh, kümmern uns, äh, unermüdlich …. Wenn dabei was ähnlich Bescheuertes rauskäme wie in der Friedrich-Ebert-Straße – jetzt 3 als „salomonische Lösung“ verkaufte Stauspuren….

Das Donauufer erlebbar machen.

Vorschlag: Sich eine halbe Stunde Zeit nehmen, ans Ufer setzen, nix tun, die Gegenwart des Flusses spüren. Wem das nichts gibt der soll sich die Ohrstöpsel wieder reinschrauben. In der Stille ist halt mal wenig los.

Wieso reicht das nicht mehr?

20161022_092705… als Sandalendesigner konnte man das schon vor 2000 Jahren….

 

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Hugo Kükelhaus

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Warum kann der Mensch, wenn er baut, nur an verwüsteter Stätte bauen?

Eine Frage, gestellt von Hugo Kükelhaus beim Kongress „Natürlich Bauen“ in Frei Ottos Institut anno 1980. Man darf wohl annehmen, dass er nicht eine Pfahlbaukultur 2.0 im Sinn hatte.

Es dürfte eher um den Respekt gegangen sein, den der Baumensch seiner Erde entgegenbringt. Ob er dem Boden, auf und von dem er lebt, eigentlich alles Denkbare und Undenkbare zumuten will. Inzwischen ist der homo oeconomicus ja beim Fracking angelangt, eine dem Auswringen eines Putzlumpens nicht unähnliche Tätigkeit. Wenn auch das erledigt sein wird – was ist dann noch übrig außer kahl gefressenem Fels?

Demut – ein Begriff den viele am Bau Tätige, nach der Bedeutung gefragt, wohl erst nachschlagen müssten.

Erosion ist nicht mehr nur Verlust durch Wind und Wetter, auch die Begriffe vergehen. Wert ist nur noch Geldwert. Bedeutung hat nur noch was verwertet werden kann.

Die Zeit ist ohne weitere Notiz und ohne jedes Achselzucken über Kükelhaus und seine vielfältigen Anliegen hinweg gegangen.

Wen ´s interessiert : „Unmenschliche Architektur“ von Hugo Kükelhaus, 1973 Gaia Verlag Köln, nur noch antiquarisch erhältlich.

Installationselement

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Im Beitrag „Einlegearbeiten“ ist von einem Installationsmodul die Rede. Das Ding ist nicht so ominös wie man zunächst meinen könnte. Für unser Muster-Passivhaus von 1999 wurde eine Art Installationselement entworfen und auch gebaut, das etliche Funktionen in sich vereint:

  • Zuluftführung
  • Strahlungsheizelement
  • Elektroinstallation mit Anschluss zur Fußleiste
  • Jalousiensteuerung
  • Heizungssteuerung
  • Telefon
  • Staubsaugersteckdose
  • Grundbeleuchtung je nach Klappenstellung direkt/indirekt

Die Elektroinstallation (teilweise Bussystem) liegt komplett außerhalb der vorgefertigten Wände in der Fußleiste. Die Zuluft erfolgt über die abgehängte Flurdecke oben ins Element, wird durch die Alu-Rundrohre geführt und tritt oben aus, dabei wird ein Strahlungsheizeffekt erzielt. Die Mittelblende ist abnehmbar und auf geänderte Installationen anpassbar.

Auch ein Element für Nicht-Passivhäuser (soll´s ja immer noch geben) ohne Heizungsfunktionen ist vorstellbar. Die verbleibenden Einzelfunktionen ließen sich auch in einer einseitig verbreiterten Türzarge unterbringen.

Ob das nun die endgültige eierlegende Wollmilchsau ist steht dahin (Rasieren kann man sich -noch- nicht damit). Darum geht es auch nicht. Es ist nur ein Beispiel dafür, dass sich mit etwas Entwicklungsarbeit die Entflechtung der Gewerke durchaus darstellen ließe.

 

 

3D-gedruckte Gebäude

Rings um den Globus läuft gerade ein Wettrennen zum Thema Bauen aus dem 3D-Drucker. Waren es zunächst nur Bauteile aus Kunststoff, so sollen ja inzwischen ganze Häuser aus dem Drucker kommen. Die Chinesen scheinen sich an die Sptze der Entwicklung zu setzen. Womöglich will man mit den sagenhaft hohen Arbeitszeiteinsparungen die lästigen Heerscharen von Wanderarbeitern woanders hinschicken.

Doch gemach: bis jetzt sieht man jenseits des Einsatzes von indiskutablem Plastik als Schalung für herkömmlichen Beton nur Versuche mit mineralischen Baustoffmixturen, die allerbestenfalls an den traditionellen Mauerwerksbau mit seinen druckbeanspruchten Bauteilen heranreichen. Viel mehr als Gotik 2.0 erreicht man damit nicht. Von Baustoffen, die auch höhere Zugbelastungen abtragen, ist bislang nicht die Rede. Eigentlich befindet sich der 3D-Ansatz noch auf einer Stufe mit Ramses II (ca. 1300-1212 ante zero).

Man darf auch nicht übersehen, dass die reine Erstellung der Raumabschlüsse (der traditionelle Rohbau) nur weniger als die Hälfte vom Gesamtprozess Bauen ausmacht. Selbst wenn man sich die „Versorgungsinnereien“ noch druckbar vorstellen kann – überlebt das Parkett womöglich nur noch als Idee und Foto unter Polyurethan? Und wer druckt die Baugrube?

Solange sich der 3D-Druck nur mit der Nachahmung von Bauweisen beschäftigt, die aus den Bedingungen des Handwerks entstanden sind, kann man keine grundsätzlichen Neuerungen erwarten. Besten- oder je nach Blickwinkel schlimmstenfalls wäre damit Arbeitsplatzabbau verbunden.

Gelingt irgendwann der Einsatz von Baustoffen, die alle sinnvollen Anforderungen an Druck- und Zugfestigkeit, an Feuerwiderstand und verträglichem Temperaturausdehnungsverhalten, an Dauerhaftigkeit, Umweltverträglichkeit und nicht zuletzt Bezahlbarkeit erfüllen, so wäre man in etwa auf dem Level eines nachempfundenen Status quo. Reisst niemand vom Hocker.

Interessant wird die Sache erst, wenn sie zumindest in die Nähe eines Endes weitergedacht wird:

Bislang führt der Weg ja von der Idee im Hirn des Entwerfers über die Analyse der Aufgabe im Hirn des Fachplaners zur Synthese des Gebauten durch die Hand des Ausführenden (ja, Hirn wird er auch noch brauchen). Nimmt man jetzt die evolutionsstrategischen Algorithmen der Bionik mit ins Spiel, dann könnte, vorausgesetzt mit Hilfe einer – bislang hypothetischen – Maschine gelänge die Addition und auch Subtraktion (bisher: Presslufthammer 🙂 ) eines geeigneten Baustoffs in beliebiger Form und an beliebiger Stelle, dieser Prozess in rückgekoppelter Form dem Material selbst überlassen werden. Materialanbau zum Ausgleich von Spannungsspitzen, Abbau wo nicht benötigt. Baumpapst Mattheck lässt grüßen (natürlich breit auf Sächsisch).

Und: man sollte sich keine Illusionen darüber machen, mit welchem Anteil das geglückte Überleben unserer Bauwerke auch bisher nur durch die „Schläue des Materials“ zu beziffern wäre…